|
Die Schatzkammer des
Dorfes:
Der Greimerather Gemeindewald
Franck
Neygenfind
Der Gemeindewald hat eine Größe von 157,1 ha. Er
umschließt die Gemarkung nach allen Seiten. Während er nach Süden und
Osten fast eben oder nur sanft geneigt ist, fällt er im Westen und
Norden zu den Grenzbächen oft steil ab. Das Grundgestein bilden
Grauwacken und Tonschiefer des Unterdevon. Aufgrund eines teilweise
tonigen Untergrundes finden wir auf großer Fläche Böden mit
wechselnder Wasserführung vor. Die Höhenlage schwankt zwischen 280 und
445 m, meist um 400 m. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei 7,9
bis 8,2 Grad, die Niederschläge bei 720 bis 790 mm.
Der Wald stellt aber mehr dar, als nur eine bloße Sammlung von Daten,
er ist aufs engste mit der Geschichte des Dorfes verwoben. Dieser
Teil, nämlich die Geschichte des Waldes, soll im folgenden, im Rahmen
der hier gegebenen Möglichkeiten, einmal aufzeigen, welche Bedeutung
der Wald hat, denn es spiegelt sich darin auch die Geschichte der
Menschen aus Greimerath wider. Nicht anders als in der restlichen
Eifel, wurden die Wälder der Gemeinde Greimerath während der
Feudalzeit auf das Gröbste übernutzt und zum größten Teil vernichtet.
Neben den Nutzungen durch die Dorfbewohner spielten vor allen Dingen
die Nachfrage nach Holzkohle durch die Eifeler Eisenindustrie und die
jeden erneuten Aufwuchs vernichtende Waldweide eine verheerende Rolle.
Auch in Greimerath konnte man zu Beginn des 19. Jahrhunderts kaum noch
von Wald im heutigen Sinne sprechen, es waren entweder große
Ödländereien oder nur noch von einzelnen Bäumen bestandene Flächen.
Das Betriebswerk von 1912 weist das durch das weitgehende Fehlen von
Altbeständen noch immer nach. Dies änderte sich grundsätzlich ab 1815
durch die Einverleibung unserer Heimat nach Preußen. Eine der ersten
Verordnungen vom 24. Dezember 1816 ordnete die Einstellung von
Waldwärtern im Gemeindewald an. Darüber hinaus wurden die kommunalen
Oberförstereien, unter anderem die in Manderscheid, trotz des
Widerstandes der Gemeinden, die keine zentral gelenkte, intensive
Forstaufsicht für zweckmäßig hielten, gebildet. Am 3 1. August 1839
erfolgte der wesentliche Fortschritt dadurch, daß der Oberpräsident
der Rheinprovinz anordnete, nur noch ausgebildetes Forstpersonal
anzustellen; und daß der Verwaltung der Gemeindewälder eine generelle
Ertragsermittlung und ein allgemeiner Wirtschafts- und Kulturplan
zugrunde gelegt werden musste.
Diese Maßnahmen hinterließen auch ihre Spuren in den
Beschlussbüchern der Gemeinde Greimerath: Am 16. Februar 1850 und bei
vielen weiteren Sitzungen wird die Bestellung von Nadelholzsamen durch
den Rat beschlossen. Dieses könnte die erste Bestellung gewesen sein,
höchstwahrscheinlich gab es zumindest vor 1815 keine Nadelbäume im
Gemeindewald. Am 11. Juli 1851 wird das erste Mal ein Förster namens
Samens erwähnt, der bis dahin Plein, Greimerath und Hasborn
beförsterte. Plein scheidet aber nun bald aus unbekannten Gründen aus
dieser Försterei aus. 1857 wird eine erste Erfassung der Gemarkung,
insbesondere des Waldes, durchgeführt. Gegen den damals üblichen,
heftigen Widerstand des Rates werden umfangreiche Ödlandaufforstungen
angeordnet. Auch später wehrt man sich noch dagegen, da man die
Ödländereien zur Streunutzung, Schiffelwirtschaft und Viehweide für
unentbehrlich hielt. Erst später hat man die hervorragende
kleinklimatische Wirkung der Wiederbewaldung und die damit
einhergehende Verbesserung der landwirtschaftlichen Erträge erkannt.
Am 25. Februar 1865 wird zum ersten Mal von Holzhauern berichtet, die
gegen Entgelt im Gemeindewald Holz einschlagen. Am 8. Oktober 1865 ist
von einem "Förster Kyllburg zu Niederöfflingen", Lind am 28. Juni 1870
von einem Förster Neumann zu Niederöfflingen" die Rede. Bei dieser
Försterei Niederöfflingen, die der kommunalen Oberförsterei
Manderscheid angehört, wird Greimerath nun für lange Zeit verbleiben.
1873 wird der Betriebsplan neu erstellt und zugleich eine
Neuvermessung durchgeführt. 1898 ist der Wald soweit erholt, dass der
erste Sonderhieb in Kieferngrubenholz durchgeführt werden kann.
Sonderhiebe folgen nun in regelmäßigen Abständen, um die ersten
öffentlichen Maßnahmen zur Infrastrukturverbesserung, insbesondere die
Befestigung der Wege zu den Nachbardörfern, aber auch viele andere
Dinge zu finanzieren, woran auch die regulären Überschüsse aus dem
Wald einen erheblichen Anteil haben.
Vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis in die dreißiger
Jahre wird die Gemeinde nun von Förster Schmitz aus Niederöfflingen
betreut. In diese Zeit fällt die Rodung von 1920, entlang der Straße
Hasbom-Wittlich, im Umfang von 11,4 ha. Diese Rodung war notwendig, um
der gewachsenen Dorfbevölkerung Ackerland zur Verfügung zu stellen.
1931 gelangt die Gemeinde dann zur Försterei Niederscheidweiler,
ebenfalls in der kommunalen Oberförsterei Manderscheid, mit dem
Förster Christian Becker was im Zuge der Auflösung der Försterei Laufeld erfolgte. Unter der französischen Militärregierung wurde 1947
durch die Neuorganisation der Forstverwaltung die Gemeinde dem
Forstrevier Neuerburg unter Förster Alfs, Forstamt Wittlich-Ost,
zugeschlagen, was heftigen Protest auslöste und 1952 zur Rückführung
ins Forstrevier Niederöfflingen unter Förster Westhöfer, Forstamt
Manderscheid, führte. In der Zwischenzeit hatte der Gemeindewald,
angefangen durch den Autobahnbau über übermäßige Reparationshiebe
(mehr als 7.000 Im) bis hin zur Anlage des französischen
Munitionslagers (1950-1969), wieder erhebliche Einbußen hinnehmen
müssen, die die gesamte Aufbauarbeit in Frage stellten. Aber nicht nur
diese von außen kommenden Rückschläge erschwerten die Arbeit, sondern
auch die Gemengelage von Gemeinde- und Privatwald war über alle
Jahrzehnte ein Hemmschuh und konnte durch Ankauf und Tausch nur
all-mählich abgebaut werden. Im "Grünewald", Flur 6, ist dies bis
heute noch oft sehr hinderlich. Im Zuge solcher Arrondierungen
verkaufte man 1963 die Abteilung 1 in der Gemeinde Willwerscheid an
dieselbe, um mit dem Erlös Privatwaldflächen auf der Gemarkung
Greimerath zu kaufen. 1969 ging der Gemeindewald wieder an das
Forstrevier Niederscheidweiler, Forstamt Wittlich-Ost, und 1971 mit
dem Forstrevier Niederscheidweiler zurück an das Forstamt
Manderscheid.
Zum Forstrevier Niederscheidweiler zählen die Gemeinden
Greimerath, Niederscheidweiler, Oberscheidweiler und Hasborn. Von 1969
bis 1984 wurde der Gemeindewald von Förster Keil und seitdem von
Förster Neygenfind betreut. Unser Wald war während aller Jahrzehnte
stets ein wichtiger Arbeitsplatz für die Dorfbevölkerung, denn er bot
die Gelegenheit, in der winterlichen Saisonarbeit den Verdienst aus
der Landwirtschaft aufzubessern. Zumindest konnte man den
"Steuerzettel aus Manderscheid" verdienen. Daneben wurden allerdings
bis zum Beginn der 60er Jahre unseres Jahrhunderts auch viele Arbeiten
in der Frohnde ausgeführt. Schon immer übernahmen einzelne Männer
besondere Verantwortung in der Funktion des Schlag- oder Haumeisters.
In Greimerath sind uns noch ihre Namen vom Ende des Ersten Weltkrieges
an bekannt. Sie beginnen mit Matthias Leonhard, dann Johann Ludwig,
Matthias Hayer, Jakob Witz, Johann Schäfer und von 1957 bis 1990 Paul
Aumann. Er war auch vorläufig der letzte eigene Waldarbeiter aus der
Gemeinde Greimerath. Zur Zeit werden die Arbeiten im Gemeindewald von
dem Haumeister August Mayer aus Niederscheidweller, dem
Forstwirtschaftsmeister Udo Schäfer aus Hasborn und dem Forstwirt
Andreas Schäfer aus Oberscheidweiler ausgeführt. Trotz der oben
genannten Rückschläge konnte sich der Wald durch das gute Einvernehmen
zwischen Gemeinde und Forstverwaltung wieder erholen und in fast allen
Jahren "schwarze Zahlen" schreiben, bis er 1990 von einem verheerenden
Sturm heimgesucht (4800 ftn Windwurf) und dabei fast sämtlicher
Altholzvorräte entblößt wurde. Aber der Blick in die Geschichte des
Gemeindewaldes lässt uns hoffen, dass wir gemeinsam auch diesen
Rückschlag überwinden und der Wald weiter eine bedeutende Rolle im
Gemeindeleben spielen wird.
Literatur:
Neygenfind
Franck ,
Die Schatzkammer des Dorfes: Der Greimerather Gemeindewald,
Seite 64 - 66
850 Jahre Greimerath - Ein kleines Eifeldorf
feiert seine Geschichte
Hrsg.: Gemeinde Greimerath /Eifel 1994 |